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Ein Versuch der hohe Kosten verursacht

2018 wurde in einem Gymnasium im Großraum Frankfurt beschlossen, dass es ab dem kommenden Sommer eine Tablet-Klasse  geben wird. Dieses „Pilotprojekt“ wurde auf die  Dauer von einem Jahr vorerst begrenzt und trifft eine der kommenden 9. Klassen. Projekte dieser Art wurden allerdings deutschlandweit schon seit vielen Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse mit ihren ganzen Schwächen und Stärken sind allseits bei den Schulämtern und Ministerien bekannt. Von daher ist der Name „Pilotprojekt“ schon einmal ganz unverständlich.

Die Eltern der ausgewählten Klasse in diesem Gymnasium wurden dazu nicht befragt. Es wurde davon ausgegangen, dass von Seiten der Eltern kein Einwand erfolgen wird. Und somit gab es nur einen Elternabend in dem das Vorhaben mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation erläutert wurde. In der Tat hatte sich der Projektleiter nicht geirrt, nur wenige Familien meldeten sich zu Wort und stellten unbequeme Fragen. Eine Vielzahl der Fragen, wie beispielsweise „Was passiert mit den Tablets nach dem Schuljahr?“, „Werden auch die Klassenarbeiten auf den Tablets geschrieben?“, „Gibt es eine sichere Cloudlösung zum Speichern der Daten?“ oder„Wie wird der Übergang in den normalen Unterricht sein“ konnten nicht beantwortet werden. Die kritischen Familien überlegten sogar einen Wechsel ihres Kindes in eine andere Klasse, da sie fürchteten, dass gerade Zuhören, Verarbeiten und Niederschreiben die Denkprozesse fördern und nicht das „Wischen“ auf dem Tablet.

 

Das Schuljahr begann und damit auf der Start der außergewöhnlichen Klasse. Die ersten zwei Wochen gab es Trockentraining, da die Tablets noch nicht vorhanden waren. Nachdem sie letztendlich in der Schule ankamen, wurde festgestellt, dass die Ladestationen nicht vorhanden waren. Nachdem diese Hürde gestemmt war, konnte nun der Unterricht nach vier Wochen beginnen. Der Deutschlehrer war besonders enthusiastisch. Er begann mit dem Thema „Bewerbungen“. Die Kunstlehrerin ließ auf dem Tablet „malen“ und im Sportunterricht wurden nun mit den Tablets die sportlichen Aktivitäten gefilmt und hinterher die Filme in Zeitlupe ausgewertet. Die ersten Lehrer in dem Fach Geschichte und Ethik beendeten aber schon bald für sich das Projekt. Sie ließen die Kinder nicht mehr mit dem Tablet arbeiten, sondern forderten ganz altmodisch Hefte zum Schreiben.

Das Arbeiten in den Freistunden stellte sich für die Neuntklässler auch schwierig dar. Natürlich sollten sie ihre Hausaufgaben oder Arbeitsaufträge auf den Tablets machen. Dummerweise ist es leider auf den Gängen und in der Mensa verboten, die Tablets zu benutzen. Zudem gab es plötzliche Ausfälle für eine Vielzahl der Klassen, da die Lehrer des Tabletsprojektes zu einer kurzfristigen Weiterbildung während der Schulzeit mussten. Den Kindern der Tabletklasse wurde sogar freigestellt, ob sie an diesen Tagen zur Schule kommen wollen. Ob das eine nützliche Entscheidung der Projektverantwortlichen war, wird sich wohl in der Zukunft zeigen. Vielleicht ist es einfach nur ein neuer pädagogischer Schachzug? Fakt ist, dass sich wohl kein Schüler entschieden hatte, die Schule zu besuchen. Die Verantwortlichen waren wohl auch nicht unglücklich, denn wie sollte man eine ganze Klasse auf andere Klassen gleicher Stufen aufteilen, wo es noch nicht einmal genügend Stühle gibt?

Was passiert wenn das Tablet eines Schülers defekt ist? Nun dieses wird zum Schulamt gesendet, damit es wieder hergerichtet oder Ersatz beschafft wird. Natürlich ist dieses auch wieder ein größerer Verwaltungsakt und dauert seine Zeit. Der Schüler hat in der Zeit keine andere Möglichkeit als alles schriftlich festzuhalten und mit herkömmlichen Mitteln zu arbeiten.

Hier und da murrten viele Kinder der Tablet-Klasse über die Durchführung des Projektes. Viele waren sogar froh, dass sie es wieder abgeben durften. Andere weinten ihrem Tablet ein Tränchen nach, da sie sich nun nach anderen Spielmöglichkeiten umsehen mussten. Einige Lehrer haben sich wohl auch den Schweiß von der Stirn gewischt, als das Schuljahr beendet war, denn auch die Vorbereitung des Unterrichtes per Tablets war ziemlich zeitaufwendig.

 

 

 

 

Autor: A. Wolf